Noch Schüler?


Wenn Du noch Schüler sein solltest und Dich fragst, ob ein Biologie-Studium das Richtige für Dich ist, dann werde ich jetzt versuchen, Dir eine Idee von einem solchen Studium zu geben. Im Endeffekt ist es aber eine individuelle Entscheidung, die Dir natürlich keiner abnehmen kann.

Vielleicht warst Du schon auf einem dieser Schnuppertage an einer Uni in Deiner Umgebung. Falls nicht, solltest Du das nächste Angebot auf jeden Fall nutzen. Gibt immerhin auch nen Tag schulfrei ;) Allerdings darf man auch nicht glauben, daß das, was man dort zu sehen bekommt, das ganze Studium ausmacht. Im Hörsaal sitzen und dem meist recht langweiligen Gerede eines Profs zuhören ist Gott sei Dank nicht alles, was man Studieren nennt. Aber fangen wir ganz vorne an…

 

Häufig gestellte Fragen:

Ich habe Chemie/Physik in der Schule abgewählt. Kann ich trotzdem Biologie studieren?

Soll ich Biologie lieber auf Bachelor oder auf Diplom studieren?

Welche Unis sind besonders empfehlenswert?

Was kann man als Biologe später mal machen?

Ich habe mich an einer Uni für das Biologie-Studium eingeschrieben. Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe Probleme, den ganzen Vorlesungsstoff zu verstehen/aufzuarbeiten. Gibt es Tricks, wie ich damit besser klar komme?

 

Ich habe Chemie/Physik in der Schule abgewählt. Kann ich trotzdem Biologie studieren?

Wenn Du bereit bist, die Vorlesungen permanent aufzuarbeiten, dann sollten diese beiden Fächer kein so großes Problem sein. Die Dozenten können Nichts als bekannt voraussetzen, da jeder Student ein anderes Bildungsniveau aus der Schule mitbringt. Die Vorlesungen fangen deshalb immer bei Null an, so daß alle die gleichen Chancen haben, die Prüfungen zu bestehen.
Allerdings machen v.a. die Fächer Chemie, Mathe und Physik einen Großteil der ersten beiden Semester aus, so daß einige Leute sehr schnell die Motivation verlieren. Keine Panik, danach geht's bergauf!
Solltest Du noch immer nicht ganz davon überzeugt sein, den fehlenden Stoff nacharbeiten zu können, frage doch einfach mal beim AStA (Allgemeiner Studierenden-Aussschuß; gibts an jeder Uni) oder im Uni-Forum Deiner Wahl-Uni bei den dortigen Biologen nach, ob das Pensum zu schaffen ist.

 

Soll ich Biologie lieber auf Bachelor oder auf Diplom studieren?

In den letzten Jahren haben fast alle Universitäten in Deutschland ihr Biologie-Studium auf das Bachelor-/Master-System umgestellt. Insofern wird es langsam schwierig, noch eine Uni mit dem Studiengang Diplom-Biologie zu finden. Allerdings ist das neue System bei uns noch lange nicht ausgereift und wird von vielen Dozenten auch sehr kritisch gesehen. Selbst in der Wirtschaft ist der Bachelor/Master weniger beliebt als das Diplom. Lediglich im Ausland kann es vorkommen, daß Leute mit Bachelor bevorzugt werden, da dies das international gültige System ist. Außerdem können einige Unternehmen oder Unis im Ausland das deutsche Diplom nicht wirklich einstufen, so daß man auch mal Probleme bekommen könnte, ob der Abschluß überhaupt anerkannt wird.
Der wesentliche Unterschied in den beiden Systemen ist die Studiendauer. Der Bachelor-Studiengang dauert i.d.R. drei Jahre, wer möchte kann dann nochmal zwei Jahre für den Master anhängen. Das Diplom hat von vornherein eine Regelstudienzeit von ca. fünf Jahren. Im Bachelor wird das Pensum insgesamt etwas kompakter vermittelt, so daß die Qualität schonmal darunter leiden kann. Die Abschlußarbeit dann ist vom Umfang her wiederum gar nicht mit einer Diplomarbeit zu vergleichen. Es spricht also noch viel gegen den Bachelor, hoffentlich wird sich das in den nächsten Jahren ändern.

 

Welche Unis sind besonders empfehlenswert?

Die Qualität des Biologie-Studiums an den einzelnen Unis kann sich von Zeit zu Zeit ändern, deshalb empfiehlt es sich, immer nach aktuellen Uni-Rankings zu suchen, wie sie z.B. von Stern oder Focus jährlich erstellt werden. Darin werden die Ausstattung der Uni, die Kompetenz der Lehrkräfte, die Qualität der Vorlesungen usw. mithilfe von Studentenbefragungen bewertet.
Welche Unis überhaupt Bio anbieten, kannst Du in dieser Übersicht erkennen. Ein sehr gutes, übersichtliches Ranking wäre z.B. dieses hier von ZEIT online.

 

Was kann man als Biologe später mal machen?

Das hängt davon ab, in welche Richtung Du Dich im Studium spezialisieren möchtest. Molekularbiologen wie Genetiker, Mikrobiologen oder Biotechniker haben derzeit beste Chancen, in der Wirtschaft unter zu kommen. Wie die Aussichten für solche Stellen allerdings in fünf oder mehr Jahren aussehen werden, wage ich hier nicht zu prognostizieren. In der Regel handelt es sich dabei um Pharma- oder Biotechnologie-Unternehmen, welche sehr gut bezahlen. Vergleichweise wenig verdient man hingegen, wenn man nach seinem Abschluß an der Uni bleibt und in die Forschung und Lehre geht.
Sehr viel schlechter sieht es für die sogenannten 'Feld und Wiesen'-Biologen aus. Wer unbedingt Botaniker, Ökologe oder Zoologe werden möchte, muss sich darauf einstellen, daß die Suche nach einem Job wesentlich länger dauern kann und auch Zeiten der Arbeitslosigkeit nicht aus zu schließen sind. Den Traum vom Tauchen mit den Delphinen oder vom Erforschen von Schimpansen-Gruppen solltest Du erstmal vergessen. Ich möchte hier keine Träume zerstören, aber wer mit solchen Luftschlössern ins Studium geht, sollte sich dringend nochmal gründlich informieren. Die guten alten Pionierzeiten von Dian Fossey und Jane Goodall sind vorbei, denn sowas wird Dir heute Niemand mehr finanzieren wollen. Ansonsten gibt es für Absolventen dieser klassischen Disziplinen primär im Uni-Betrieb oder vielleicht noch bei einigen Naturschutz-Organisationen oder Tierparks eine Stelle zu erhaschen, aber diese sind wirklich rar und werden meist von hunderten von Bewerbern überflutet.

 

Ich habe mich an einer Uni für das Biologie-Studium eingeschrieben. Wie geht es jetzt weiter?

Auf zur Ersti-Woche! Dort wird Dir von einem Tutor aus einem höherem Semester alles erzählt, was Du für Deine Uni wissen musst. Außerdem solltest Du Dir schnell das aktuelle Vorlesungsverzeichnis besorgen, darin stehen alle Vorlesungen, die Du besuchen musst, und wann und wo sie stattfinden.
Solltest Du zu den Leuten gehören, die über das ZVS-Nachrückverfahren erst ein bis zwei Wochen nach Vorlesungsbeginn an die Uni kommen, wird alles leider ein bißchen schwieriger. Die Ersti-Woche hast Du verpasst, deshalb musst Du nun auf eigene Faust zusehen, daß Du an die wichtigsten Infos irgendwie rankommst. Am Besten direkt bei der Einschreibung nachfragen, wo sich Deine Fakultät befindet und welches Sekretariat für Dich zuständig ist. Dort wirst Du in den meisten Fällen ein aktuelles Vorlesungsverzeichnis erhalten. In den ersten Vorlesungen dann solltest Du Dich direkt an Deine Mitstudierenden wenden, und sie über alle notwendigen Praktika etc. ausquetschen.

 

Ich habe Probleme, den ganzen Vorlesungsstoff zu verstehen/aufzuarbeiten. Gibt es Tricks, wie ich damit besser klar komme?

So widerwärtig es auch klingen mag, ideal ist immer noch die tägliche Vor- und Nachbereitung jeder Vorlesung. Den Stoff das gesamte Semester lang vor sich herschieben und dann innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen in sich hineinprügeln ist nämlich eine ziemlich sichere Methode, eine Klausur nur schlecht oder gar nicht zu bestehen. Und bei etwa acht oder neun Klausuren pro Semester und einer Vorlesungslaufzeit von nur rund zwölf Wochen steht man dann ganz schnell vor einer riesigen Mauer, über die man nicht mehr hinüberzukommen scheint. Daß dabei vielleicht Deine Freizeit zu kurz kommen könnte, brauchst Du bei konstantem Lernen nicht zu befürchten. Dafür gibt es schließlich noch die Wochenenden und z.T. ewig lange Sommersemesterferien. Grundsätzlich rechnet man aber im Schnitt pro Vorlesungsstunde eine weitere Stunde Vor- und Nachbereitungszeit. In manchen Fächern kann das auch viel schneller gehen, während man bei anderen wiederum doch noch etwas länger benötigen kann. Das hängt davon ab, wie gut Du Dich mit dem aktuellen Thema der jeweiligen Vorlesung auskennst.
Für den Umgang mit den Professoren möchte ich ebenfalls noch einige Tips geben: Auch wenn Du mal der Meinung sein solltest, eine Vorlesung wirklich gar nicht besuchen zu müssen, weil Du die Lesung langweilig findest oder den Stoff vielleicht schon kennst, solltest Du sie trotzdem wenigstens ein paar mal besuchen. Dabei lernt man nämlich auch, worauf es dem Dozenten bei seinem Stoff wirklich ankommt, seinen Stil Fragen zu stellen und wie er diese gerne beantwortet hätte. Manchmal geben die Dozenten auch versteckte Hinweise auf die späteren Klausuren. Für den Fall, daß Du eine Klausur beim ersten Versuch einmal verhauen haben solltest, empfehle ich, Deinen Prof danach aufzusuchen, Dir die mißlungene Klausur zeigen zu lassen und Dir erklären zu lassen, was Du hättest besser machen können. Das ist auf jeden Fall sehr hilfreich beim Lernen für die Wiederholungsklausur, und der Prof merkt sich dabei auch oft Dein Gesicht und erkennt dabei Deinen guten Willen. Schaden kann es also wirklich nicht, selbst wenn dieser Prof den schlechtesten Ruf auf dem gesamten Unicampus haben sollte. Das ist auch eine gute Methode Prüfungsängste loszuwerden. Mündliche Prüfungen stehen irgendwann einmal bei Jedem im Terminkalender, spätestens dann ist es gut, vorher ein paar Worte mit dem Dozenten gesprochen zu haben, um Dir die Angst vor diesen „übermächtigen Wesen“ oder „Folterknechten“ zu nehmen. Ich habe mir auch sagen lassen, daß für Leute mit extrem hartnäckigen Blockaden bei mündlichen Prüfungen Rhetorik-Kurse sehr hilfreich sein sollen, bei denen man lernt, frei zu sprechen ohne Angst haben zu müssen.

 


Ich hoffe hiermit Niemanden unnötig verwirrt zu haben, aber wenn man ein solches Studium beginnt, hat man sich auch schon nach wenigen Wochen eingelebt, Leute kennen gelernt und weiß im Großen und Ganzen auch, wo es lang geht. Und bisher ergab es sich noch fast immer so, daß man sich gegenseitig hilft, da im ersten Semester ja alle in derselben Situation sind. Bisher ist noch jeder heil da durch gekommen und das wirst Du ganz sicher auch ;-) Ich hoffe, ein wenig geholfen zu haben und wünsche frohes Studieren. Bei Fragen bin ich immer per Mail erreichbar.